Veröffentlicht am: 12.12.2019

RUNDE SIEBZEHN

Zum Auftakt der siebzehnten Runde stellen wir die Frage “Wer soll für die Gewährleistung der Sicherheit inner- und außerhalb von Fußballstadien zahlen, besonders bei so genannten Hochrisikospielen?“

Im Interview mit

Michael Wronker · Vizepräsident des BVMS e.V.,

Michael Metz · Chief Operational Adviser und Ausbilder in der Frankfurter Niederlassung der Klüh Security GmbH,

Dirk Dernbach · Geschäftsführer der SECURITAS Sport & Event GmbH & Co. KG,

Bernd M. Schäfer · Geschäftsführender Gesellschafter der Atlas Versicherungsmakler für Sicherheits- und Wertdienst GmbH,

Peter Haller · Geschäftsführender Gesellschafter der All Service Sicherheitsdienste GmbH

Eine kurze Einleitung

Wer soll das bezahlen? Die Fußballvereine sagen: der Staat, also der Steuerzahler, denn: „Der Fußball ist nicht Verursacher von Gewalt“ (Deutsche Fußball Liga, DFL). Dem schließen sich viele Politiker und die Gewerkschaft der Polizei an. Anders das Land Bremen: Es hatte die Kosten eines Polizeieinsatzes der DFL in Rechnung gestellt – was ein Gericht wiederum als unrechtmäßig verwarf. Wer also soll denn nun für die Gewährleistung der Sicherheit inner- und außerhalb von Fußballstadien zahlen, besonders bei so genannten Hochrisikospielen? Dabei geht es ja nicht nur um die Arbeit der Polizei, sondern auch um die der privaten Sicherheits-Dienstleister, für die die Vereine ein wichtiger Auftraggeber sind. Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Frage der Blick in eine andere Branche: Im Luftverkehr zahlen die Passagiere die Sicherheitskontrollen über ihre Flugtickets anstandslos mit. Wäre also ein „Sicherheitszuschlag“ für Stadioneintrittskarten eine probate Lösung?

Michael Wronker

Vizepräsident des BVMS e.V.

„Es fließen schon genug Gelder an den Staat“

 

Fußball ist der Volkssport Nummer eins. Fast jedes Wochenende gehen Hunderttausende Menschen zu den Spielen der höheren Ligen. Diese werden von Tausenden von Sicherheitsmitarbeitern und Ordnern sowie – je nach Gefährdungslage – von etlichen Polizisten begleitet. Die Vereine haben in den letzten Jahren durchaus dazugelernt und bieten vielfältige Fanbetreuung für die so genannten erlebnisorientierten Fußballfans. Dieses Angebot kann sicherlich noch ausgebaut werden. Die intensive Zusammenarbeit der Fanprojekte mit der Polizei ist bereits gegeben, wobei genau diese wiederum zu Problemen bei der Vertrauensbildung mit den Fans führt. Die Vereine der oberen Ligen zahlen über eine Milliarde Euro Steuern im Jahr. Meines Erachtens fließen dadurch genug Gelder an den Staat, dessen Aufgabe ohnehin die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist. Darüber hinaus wären die Kosten unkalkulierbar. Den Vereinen könnte willkürlich eine Polizeistärke aufgedrängt und in Rechnung gestellt werden.

Michael Metz

Michael Metz

Chief Operational Adviser und Ausbilder in der Frankfurter Niederlassung der Klüh Security GmbH

„Nur schwer in die Praxis umzusetzen“

 

Leider muss ich als Fußballfan gestehen, dass wir zwar in allen Belangen über die Verhältnismäßigkeit reden, diese aber hier leider derzeit nicht gegeben ist – denn die Sicherheitskosten übernimmt anteilig jeder Bürger, auch wenn er sich für Fußball gar nicht interessiert. Richtig wäre es, die Kostenverursacher (Täter) zahlen zu lassen. Denn weder der Verein noch der normale Besucher noch die Sicherheitsorgane haben Verantwortung für die Taten zu übernehmen. (Es sei denn, sie hätten zu den Taten angestiftet, was natürlich absurd ist.) Deshalb wird sich ein solcher Sicherheitszuschlag vermutlich nur schwer in die Praxis umsetzen lassen, da sich die Kosten mit der einzelnen Tat kaum in Beziehung setzen lassen. Deshalb ist im Grunde der Gedanke richtig, den Fan an den Sicherheitskosten zu beteiligen. So würden insbesondere Hochrisikospiele teurer werden und jeden einzelnen Zuschauer zum Nachdenken anregen. Der Ansatz ist richtig, jedoch wird es leider die potenziellen Täter nicht von ihren Taten abhalten und die normalen Besucher treffen. Auch hier gilt: Einen Masterplan wird es nicht geben. Aber dort, wo Kosten entstehen, müssen sie auch beglichen werden.

Dirk Dernbach

Dirk Dernbach

Geschäftsführer der SECURITAS Sport & Event GmbH & Co. KG

„Unter welchen Bedingungen können sich Fußballvereine Sicherheit noch leisten können?“

 

In unseren populistischen Zeiten ist der Ruf nach „mehr Sicherheit“ allgegenwärtig. Alle wollen das Niveau qualitativ nach oben schrauben – und dann kommt die Überraschung: Ach du liebe Zeit, das kostet dann ja auch mehr Geld. Wer hätte das gedacht? Zumal dieses Geld in der Regel nicht die aufzubringen haben, die laut nach mehr Sicherheit rufen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Qualität auch Einfluss auf die Quantität hat. Bundesweit hat das Sicherheitsgewerbe inzwischen massive Schwierigkeiten, die gewünschte Personalstärke bei Großveranstaltungen zu erreichen. Das liegt auch daran, dass die Ordnungsämter inzwischen definieren, dass in fast allen Dienstleistungspositionen im Stadion „Sicherheitstätigkeiten“ ausgeübt werden und damit entsprechende Qualifizierungen vorhanden sein müssen. Früher dagegen waren im Wesentlichen „Servicekräfte“ im Einsatz – mit entsprechend geringeren Qualifikationsansprüchen. Die Basisausbildung zur Sicherheitskraft mit Unterrichtungsverfahren, DFB-QuaSOD-Schulung, Eintrag ins Bewacherregister usw. schlägt mit gut 1.500,- Euro zu Buche. Wer dieses Sicherheitsniveau fordert oder es von den Behörden auferlegt bekommt, muss es nun mal als „Nutznießer“ auch bezahlen. Da spielt es keine Rolle, ob die Eintrittskarte stillschweigend zu einem Mehrpreis ausgegeben oder ein „Sicherheitszuschlag“ separat ausgewiesen wird. Klar ist: Sicherheit wird teurer werden! Es stellt sich allein die Frage: Kann sich ein Veranstalter auf Dauer Sicherheit noch leisten, wenn er die Kosten nicht auf die Besucher umlegt? Und so sagen wir „Tschööö“ zur SG Wattenscheid und drücken anderen Vereinen die Daumen, dass sie ihre Kosten im Griff behalten – inklusive jenen für die Sicherheit.

Bernd Schäfer

Bernd M. Schäfer

Geschäftsführender Gesellschafter der Atlas Versicherungsmakler für Sicherheits- und Wertdienst GmbH

„Verursacherprinzip anwenden!“

 

Staatliche Leistungen sind grundsätzlich verfügbar. Wenn sie aber in Anspruch genommen werden, kann vom Nutzer ein Entgelt verlangt werden. Der Bürger kann erwarten, dass staatliche Sicherheit durch Steuergelder finanziert wird und damit für ihn schon bezahlt ist. Anders ist dies bei der Inanspruchnahme einer regelmäßigen erhöhten Sicherheit wie bei der Absicherung von Fußballspielen. Dies ist weder durch Steuern bezahlt noch außerordentlich, sondern stattdessen außerordentlicher Aufwand für den Staat und zudem planbar. Aus diesem Grund muss auch hier das Verursacherprinzip angewendet und die Fußballvereine mit den Kosten belastet werden. Ob diese das dann durch einen Sicherheitszuschlag an die Zuschauer weitergeben oder anderweitig finanzieren, ist sekundär. Sinnvoll ist es, private Mitarbeiter der Stadionsicherheit mit erweiterten Kompetenzen auszustatten und dies in dem anzustrebenden Sicherheitsgesetz zu regeln. Das Hausrecht reicht hier nicht.

Peter Haller

Peter Haller 

Geschäftsführender Gesellschafter der All Service Sicherheitsdienste GmbH

„Verteuerung von Eintrittskarten schließt manche Fans womöglich aus“

 

Ich halte grundsätzlich nichts von einem „Sicherheitszuschlag“ für Stadien. Der (Fußball-)Sport ist für viele Menschen am Wochenende ein fester Bestandteil der Freizeitgestaltung. Der Preise für Eintrittskarten schwankt sehr stark. Dennoch gibt es immer Stehplatzkarten, die für wenig Geld erstanden werden können. Die Eintrittskarten mit einer Sicherheitsgebühr zu belegen, halte ich für falsch. Fußball hat auch eine sozialpolitische Komponente. Fans können sich im Stadion „austoben“. Selbstverständlich immer gewaltfrei! Eine Verteuerung der Karten schließt Fans unter Umständen aus. Fußball und andere große Sportveranstaltungen sollten einer breiten Öffentlichkeit angeboten werden.

Updating…
  • Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.