Veröffentlicht am: 01.03.2019

Raphael aus der Wiesche

Raphael aus der Wiesche ist am 18.07.1997 in Neu-Ulm geboren. 2016 hat er erfolgreich sein Abitur abgeschlossen und im selben Jahr mit dem Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms – Universität in Bonn begonnen.
Seit 2017 lebt und studiert er in Berlin.
In seinem Studium interessiert er sich besonders für das allgemeine Sicherheits- und Ordnungsrecht.

Ausbildungsberufe in der Sicherheitsbranche

Das Wach- und Sicherheitsgewerbe zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Einstiegs-, Weiterbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten aus. Wer an einem Unterrichtungsverfahren oder einer Sachkundeprüfung teilnimmt, ist grob gesprochen für das Erkennen und die Beseitigung von Gefahren verantwortlich. Ausgebildete Sicherheitskräfte erarbeiten Konzepte, die die Entstehung von Gefahren bekämpfen. Der Meister für Schutz und Sicherheit oder Absolvent eines Bachelor-Studienganges erforscht die Entstehung von Gefährdungsursachen. Der nachfolgende Text verschafft Dir einen Überblick, welche Qualifikationen in der Sicherheit erlangt werden können und welche beruflichen Perspektiven dadurch bestehen.

Unterrichtungsverfahren

Das Unterrichtungsverfahren gem. § 34a Gewerbeordnung (GewO) ist die niedrigste Zulassungsvoraussetzung, um in der privaten Sicherheit zu arbeiten. Die Unterrichtungszeit beträgt 40 Stunden. Das zu vermittelnde Wissen wird in der Regel in Unterrichtseinheiten à 45 Minuten weitergegeben. Die Industrie- und Handelskammern belassen es bei einer Wissensvermitlung. Eine anschließende Prüfung der vermittelten Inhalte entfällt.
Hundertprozentige Anwesenheit ist jedoch Standardvoraussetzung. Im Unterrichtungsverfahren wird Gewerbe- und Datenschutzrecht, Privatrecht sowie Straf- und Verfahrensrecht in Grundzügen vermittelt.
Darüber hinausgehend werden die wichtigsten Unfallverhütungsvorschriften besprochen, vor allem DGUV Vorschrift 23. Neben diesem theoretischem Teil, werden auch praktische Kenntnisse erworben.
Zum Beispiel Grundzüge der Sicherheitstechnik. Ebenso umfasst das Unterrichtungsverfahren  Einheiten zum Verhalten in Gefahrensituationen und dem Umgang mit Menschen allgemein.
Schließlich werden neben Deeskalationstechniken auch interkulturelle Kompetenzen vermittelt. Letzteres ist hinsichtlich des hohen Nachfrage bei der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften von steigender Bedeutung.
Das Verfahren kostet etwa 350 bis 450 € und berechtigt nach § 34a GewO zur gewerbsmäßigen Bewachung von Leben oder fremden Eigentum. Absolventen werden in der Regel an Hausrechtsbereichen wie Veranstaltungen und im Revier- oder Objektdienst eingesetzt.

 

Sachkundeprüfung

Ein Plus an beruflichen Möglichkeiten eröffnet die Sachkundeprüfung nach § 34a GewO. In einem meist vierzehntätigen Kursus werden die oben genannten Tätigkeitsfelder behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei in Strategien zur Deeskalation. Neben der bloßen Anwesenheit ist ist hier auch das Bestehen einer Prüfung erforderlich. Folgende Tätigkeiten dürfen von Sicherheitsmitarbeitern anschließend ausgeführt werden:

  1. Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum oder in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr(Citystreifen)
  2. Schutz vor Ladendieben (Ladendetektiv)
  3. Bewachungen im Einlassbereich von gastgewerblichen Diskotheken (Türdienst)
  4. Personen, die in leitender Funktion bei der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften eingesetzt werden
  5. Personen, die in leitender Funktion zugangsgeschützte Großveranstaltungen bewachen

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die Sachkundeprüfung oder die Unterrichtung nach § 34a GewO innerhalb kürzester Zeit einen Einstieg in die Branche ermöglichen. Zugleich ist dies mit Abstrichen bei den Ausübungsmöglichkeiten verbunden. Besonders häufig werden die Qualifikationen von Personen erworben, die an einer weiteren freiberuflichen Nebentätigkeit interessiert sind.

 

Berufsausbildung

Wenn Du darüber nachdenkst, Bewachungsaufgaben in Vollzeit zu übernehmen, ermöglichen sich weitreichende Ausbildungsmöglichkeiten anhand einer zweijährigen Ausbildung zur Servicekraft oder Fachkraft für Schutz und Sicherheit mit einer Ausbildungszeit von drei Jahren.
Der Schwerpunkt beider Ausbildungsberufe liegt im vorzeitigen Erkennen von Gefahren (Sicherheitsprävention).

Die Servicekraft für Schutz und Sicherheit (SKSS) führt operative Maßnahmen durch. Dies meint einerseits die Beurteilung einer Sache hinsichtlich des Gefährdungspotentials und andererseits das Einleiten von Abwehrmaßnahmen. Um Rechtsverstöße erkennen zu können, werden in der Ausbildung Grundkenntnisse vom Arbeitsschutzgesetz, der Bewachungs- und Gewerbeverordnungen, dem Strafgesetzbuch sowie technische und organisatorischen Richtlinien vermittelt.
Für den Ausbildungsberuf ist ein enormer praktischer Bezug prägend. Während der zwei Ausbildungsjahre begleitest Du erfahrene Mitarbeiter im Schichtdienst, erlernen Selbstverteidigung und den Umgang mit Dienstwaffen. Arbeitsplatz sind öffentlich zugängliche Orte wie Flughäfen, Bahnhöfe und Innenstädte. Neben der Bewachung von Gebäuden beteiligt die SKSS sich an Geld- und Werttransporten.
Erwartet werden von Dir neben körperlicher Fitness und der Fähigkeit auch Nachts zu arbeiten, vor allem Verantwortungs- und Selbstbewusstsein.

Die Ausbildung zur SKSS kann um ein drittes Jahr verlängert werden. Dann bist du Fachkraft für Schutz und Sicherheit (FKSS) und beteiligst dich an organisatorischen Abläufen.
Du erlernst das Gefährdungspotential einzuschätzen, um auf Basis dessen zu entscheiden, wie der Schutz von Objekten und Anlagen umzusetzen ist. In der Ausbildung werden Umgang und Installation von Videokamera, Bewegungsmeldern, Wärmebildkameras unter anderem vermittelt.
Die Fachkraft arbeitet in Schichten, führt Streifgänge durch oder überwacht großflächige Areale auf Monitoren. Daher wird die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, und eine technische Affinität vorausgesetzt. Nachtarbeit sollte nicht gescheut werden. Bei Gefahr ist es deine Aufgabe, den Tatort bis zum Eintreffen der Polizei zu sichern.

Die FKSS hilft außerdem beim Erstellen von Sicherheitskonzepten. Du kontrollierst, ob Schutzgesetze auf Großveranstaltungen ordnungsgemäß umgesetzt wurden. Zum Beispiel die Anzahl und bauliche Ausführung von Fluchtwegen. Im Gegensatz zur SKSS erhält man ein durch Tarife geregeltes Gehalt. Berufschancen können durch Weiterbildungen vergrößert werden. Durch ein Fahrsicherheitstraining, der Verbesserung von Nahkampftechniken oder einem Waffenschein, ist eine Anstellung als Personenschützer denkbar.

 

Für Seiteneinsteiger

Für Seiteneinsteiger lohnt sich die Fortbildungsprüfung zur Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft. Die Fortbildung umfasst nach dem Rahmenplan eine Dauer von 210 Stunden.
Die Prüfung lohnt sich für Personen, die länger in der Sicherheitsbranche arbeiten, ohne eine Ausbildung vorher absolviert zu haben. Du kannst dich zur Prüfung anmelden, wenn du eine beliebige Ausbildung  erfolgreich abgeschlossen hast und mindestens zwei Jahre lang Praxiserfahrung in der  Sicherheitsbranche hast oder eine fünfjährige Berufspraxis und davon min. drei Jahre in der Branche vorweisen kannst.
Ebenso kann die Prüfung von der FKSS absolviert werden. Hierbei handelt es sich um eine Zusatzqualifikation und ermöglichen dir Zugang zu höheren Tariflöhnen.

Die Prüfung besteht aus insgesamt drei Teilen, welche sich aus zwei schriftlichen und einer mündlichen Prüfung zusammensetzen. Der erste Teil umfasst „Rechts- und aufgabenbezogenes Handeln“ und der zweite „Gefahrenabwehr und Einsatz von Schutz- und Sicherheitstechnik“. In der Prüfung selbst wird „Sicherheits- und serviceorientiertes Verhalten und Handel“ abgefragt. Die Kurse zur Prüfungsvorbereitungen kosten ca. 1.000€. Zudem ist eine Anmeldegebühr in Höhe von etwa 300€ fällig.

 

Fortbildung

Strebst Du Führungspositionen in der Sicherheit an, empfiehlt sich nach vorangegangener Ausbildung eine Fortbildung zum Meister für Schutz und Sicherheit. Dann bist du für die Planung und Ausführung von Sicherheitskonzepten verantwortlich.
Der Meister für Schutz und Sicherheit ist übrigens selbst dazu berechtigt, Personen auszubilden. Er wird mit der Leitung eines Betriebs vertraut gemacht und in der Kostenrechnung und Einarbeitung von Mitarbeitern tätig. Für die Fortbildung ist eine Zeit von zwei Jahren vorhergesehen. In diesem Zeitraum erhält du keinen Lohn. Um die Fortbildung finanzieren zu können, wird sie daher als Vollzeit- oder Teilzeitmodell angeboten.

Die Zulassungsvoraussetzungen lauten:

  • entweder eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zur FKSS oder
  • eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung aus einem sonstigen Ausbildungsberuf sowie eine zweijährige Praxiserfahrung im Bereich der Sicherheit oder
  • eine fünfjährige Berufserfahrung und davon mindestens drei Jahre in der Sicherheit oder
  • eine erfolgreich ablegte Prüfung zur „Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft“ beziehungsweise „Geprüfte Werkschutzkraft“.

Häufig spezialisiert sich der Meister für Schutz und Sicherheit noch auf einen bestimmten Tätigkeitsbereich. Er nimmt beispielsweise an Lehrgängen zum Brandschutz teil, um ein Unternehmen in unabhängiger Tätigkeit als Brandschutzbeauftragter zu beraten. Eine andere Möglichkeit ist eine Schwerpunktsetzung im privaten Ermittlungsdienst oder dem Verfahren von Zutrittskontrollen.

 

Neue Perspektiven: Studienangebote in der Sicherheit

Momentan gibt es 18 verschiedene Bachelor-Studiengänge in der Sicherheit.
Studienplätze werden unter anderem an Universitäten in Berlin, Hamburg, Bremen, Ingolstadt und Dresden angeboten. Ebenso gibt es kostenpflichtige Fernuniversitäten.
Wer ein Fernstudium absolviert, hört von Zuhause aus Vorträge über das Internet und reicht in regelmäßigen Abständen Hausarbeiten ein. Allgemein liegt der Fokus im Bereich präventiver Sicherheit. Dazu gehören vor allem das Erkennen und Beurteilen unternehmerischer Sicherheitsrisiken anhand von Risikoanalysen. Die einzelnen Hochschulen spezialisieren sich auf verschiedene Bereiche wie Umweltrisiken, medizinische Risiken, Informationssicherheit, Kriminologie oder Gefahrenabwehr. Ein Bachelor-Studiengang umfasst sechs Semester in Regelstudienzeit, wobei häufig ein siebtes durch Praktika hinzuzurechnen ist.
Der Abschluss eröffnet berufliche Perspektiven als Sicherheitsberater für Privatunternehmer, Sachverständiger oder in einer Polizeibehörde tätig zu werden. Ebenfalls steht die Möglichkeit offen, in einem auf dem Bachelor aufbauenden Master-Studiengang zu vertiefen, um Expertenwissen in einem ganz bestimmten Gebiet zu erlangen.

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