Veröffentlicht am: 28.03.2019

Raphael aus der Wiesche

Raphael aus der Wiesche ist am 18.07.1997 in Neu-Ulm geboren. 2016 hat er erfolgreich sein Abitur abgeschlossen und im selben Jahr mit dem Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms – Universität in Bonn begonnen.
Seit 2017 lebt und studiert er in Berlin.
In seinem Studium interessiert er sich besonders für das allgemeine Sicherheits- und Ordnungsrecht.

Krankheit und Beruf: Wie Sie sich richtig krankmelden und auf welche Rechte Sie bestehen können

17,2 Arbeitstage fiel jeder Arbeitnehmer durchschnittlich im Jahr 2016 aus. Etwa jeder 20. Arbeitstag entfällt wegen arbeitsunfähiger Erkrankung. Das ergibt einen Verlust von insgesamt 674,5 Millionen Arbeitstage in Deutschland! Nach dem DAK-Gesundheitsreport ist rund ein Drittel auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen. Auf Infektionen und Verletzungen entfallen jeweils 9 Prozent aller Krankheitstage. Psychische Gründe nannten etwa 6 Prozent aller Betroffenen.

Glückliche Arbeitnehmer werden seltener krank. Wertschätzung und ein gesundes Betriebsklima wirken sich auf die Gesundheit der Beschäftigten aus. Befristete Arbeitnehmer werden häufiger krank als unbefristet Beschäftigte. Dieser Zusammenhang gilt auch dann, wenn man von einer Dunkelziffer missbräuchlicher Krankschreibungen ausgeht. Jeder fünfte Mitarbeiter gab in einer anonymen Umfrage an, im Jahr mindestens einmal „blaugemacht“ zu haben.

Krankschreiben

Der Arbeitnehmer muss dem Betrieb so schnell wie möglich mitteilen, dass er seiner Beschäftigung nicht nachgehen kann. Diese Benachrichtigung kann per Mail, Anruf oder über einen Kollegen erfolgen. Das Gesetz kennt hier keine förmlichen Anforderungen. Auch eine kurze WhatsApp-Nachricht sollte genügen. Doch damit der Arbeitgeber besser planen kann, muss der Mitarbeiter die Prognose aufstellen, wie lange er etwa ausfallen wird („Ich rechne damit, spätestens übermorgen wieder arbeiten zu können“). Die genauen Krankheitsgründe sind Privatsache und müssen nicht mitgeteilt werden. Man darf eine Auskunft verweigern, wenn der Arbeitgeber explizit danach fragt.

 

Anzeige- und Nachweispflichten

Dass eine Krankmeldung erst am dritten Tag erforderlich sei, ist ein Irrtum. Häufig werden Anzeige- mit Nachweispflichten verwechselt. Die Pflicht einer unverzüglichen Mitteilung geht aus § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) hervor (Anzeigepflicht). Der Arbeitgeber muss unmittelbar benachrichtigt werden. Und: Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens am darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen (Nachweispflicht).

Beispiel: Ist der Mitarbeiter Dienstag krank, muss er die Bescheinigung drei Tage später, also am Freitag, einreichen. Fällt ein Krankheitstag auf das Wochenende, verzögert sich die Frist dementsprechend. Samstage und Sonntage werden nicht mitgerechnet, außer, der Beschäftigte war an einem dieser Tage eingeteilt. Wäre der Mitarbeiter beispielsweise erst Mittwoch erkrankt, hat er grundsätzlich bis zum darauflegenden Montag Zeit, die ärztliche Bescheinigung vorzuzeigen.

Anhand einer einvernehmlichen Übereinkunft zwischen dem Betrieb und den Arbeitnehmern kann von der gesetzlichen Drei-Tages-Frist durch den Arbeitsvertrag abgewichen werden. Dann ist ein Nachweis unter Umständen schon am zweiten Krankheitstag erforderlich. Diese Fristverkürzung muss aber ausdrücklich im Vertrag erwähnt werden. Seltener sind Verschärfungen der Nachweispflicht, nachdem ein Arbeitsverhältnis bereits beschlossen wurde. Eine nachträgliche Änderung setzt neben dem Einverständnis des Mitarbeiters auch eine Zustimmung des Betriebsrates voraus.

 

Folgebescheinigung

Durch das ärztliche Attest bestimmt der behandelnde Mediziner, wie lange der Patient von der Arbeit entbunden wird. Ist der Mitarbeiter länger arbeitsunfähig, muss er erneut zum Arzt gehen und sein Attest verlängern. Diese Folgebescheinigung muss unmittelbar am Tag nach Ablauf der Frist eingereicht werden.

 

Muss ich bei frühzeitiger Genesung zur Arbeit?

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, alles zu tun, was für seine Genesung förderlich ist. Aber was passiert, wenn ich nach einer Woche gesund bin, mein Arzt mich aber für zwei Wochen krankgeschrieben hat? Wer sich fit und arbeitsfähig fühlt, muss im Betrieb wieder seine Tätigkeit aufnehmen. Das Attest stellt den Patienten nicht per se davon frei.

Kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz stellen allerdings ein großes Risiko dar. Durch Ansteckungsgefahren und eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit rufen sie nachteilige Folgen hervor. Im Zweifelsfall sollte der Krankgeschriebene stets zuhause bleiben. Nur vollständig genesene Mitarbeiter sollten vor Ablauf der Arbeitsbefreiung wieder erscheinen.

 

Strikte Bettruhe bei Krankheit?

Eine strikte Bettruhe könnte den Heilungsprozess gegebenenfalls bremsen. Schreibt der Mitarbeiter sich krank, muss er eventuell zum Arzt oder in die Apotheke, um Medikamente zu kaufen. Mit der Krankschreibung ist der Arbeitnehmer daher nicht an die Wohnung gefesselt. Der Kranke darf alles tun, was den Heilungsprozess nicht weiter beeinträchtigt. Dazu gehören nicht nur lebensnotwendige Besorgungen, wie der Einkauf im Supermarkt. Auch gewisse Freizeitaktivitäten sind je nach Art der Krankheit gestattet. So darf ein Mitarbeiter mit gebrochener Schulter ins Kino oder Restaurant gehen, da dies keine Auswirkungen auf den Bruch hätte. Er muss sich keine Sorgen über arbeitsrechtliche Konsequenzen machen.

Bei psychischen Erkrankungen kann die Genesung sogar durch eine aktivere Gestaltung des Alltages gefördert werden. Die Gerichte sind bei Verdacht auf „Blaumachen“ oder Krankfeiern tendenziell arbeitnehmerfreundlich. So wurde vom Landesarbeitsgericht Köln eine fristlose Kündigung gegenüber einem Mechaniker gekippt, der trotz attestierter Arbeitsunfähigkeit Kraftsport betrieb.

 

Erkrankung während der Urlaubszeit?

Der Erholungsurlaub wird durch das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt. Die Vorschriften sind anwendbar, sofern keine abweichenden Vereinbarungen durch den individuellen Arbeitsvertrag oder durch Tarifverträge getroffen wurden. Erkrankt der Mitarbeiter während der Urlaubszeit, müssen die Tage der Arbeitsunfähigkeit nach § 9 BUrlG auf den Jahresurlaub nicht angerechnet werden. Der Beschäftigte hat einen Anspruch darauf, die verlorengegangene Urlaubszeit nachzuholen.

Dafür muss er aber strengere Anzeige- und Nachweispflichten beachten:

  1. Die Krankheit muss am ersten Tag dem Betrieb gemeldet
  2. und die Leistungsunfähigkeit durch ein ärztliches Attest am gleichen Tag bestätigt werden (Verschärfung von § 5 EntgFG).
  3. Außerdem muss das Attest ausdrücklich die Bezeichnung Arbeitsunfähigkeit enthalten (auf den Wortlaut vor allem bei ausländischen Reisen achten!)

Der Urlaubsanspruch bleibt selbst für denjenigen bestehen, der ein ganzes Jahr lang krankgeschrieben war. Er kann seine Urlaubstage nachhole. Der Erholungsurlaub muss allerdings innerhalb der ersten drei Monate des darauffolgenden Kalenderjahres abgegolten werden. Bei 24 Werktagen Urlaub kann dies dazu führen, dass der Erkrankte nicht 12, sondern ganze 13 Monate am Stück fehlt.

 

Anspruch auf Gehalt?

Bis zu sechs Wochen lang muss der Betrieb seine Angestellten bezahlen, wenn diese erkrankt sind und ihre Arbeitsunfähigkeit nicht zu verschulden haben. Bei langwierigeren Krankheiten gibt es Krankengeld von den gesetzlichen Unfallkassen. Es beträgt 70 Prozent des Bruttogehaltes, jedoch höchstens 90 Prozent des Nettolohns. Wann man als arbeitsunfähig gilt, kann durchaus fallbezogen entschieden werden. So könnte etwa eine professionelle Sängerin ihren Beruf bereits bei leichter Heiserkeit nicht ausüben. Einen Pförtner würde dies nicht im Empfangsdienst oder bei der Durchführung von Zutrittskontrollen stören. Andererseits könnte die Sängerin auch mit gebrochener Hand Konzerte geben, während ein Wachmann auf zwei funktionstüchtige Hände angewiesen ist.

Arbeitnehmer müssen in ihrem eigenen Interesse auf die Gesundheit achten. Wer grobe Verkehrsverstöße begeht und dadurch einen Unfall erleidet, verliert seinen Anspruch auf Lohn im Krankheitsfall. Der Arbeitgeber darf erwarten, dass Schutzpflichten wie das Anlegen des Sicherheitsgurtes im Auto oder das Tragen der persönlichen Schutzausstattung befolgt werden.

Ob ein Verschulden auch vorliegt, wenn Mitarbeiter eine Verletzung bei Ausübung einer hochgefährlichen Sportart erleiden, ist höchst umstritten. Das Bundesarbeitsgericht sah sich schon im Jahr 1982 mit einem solche Fall konfrontiert: Hier weigerte sich ein Logistik-Unternehmen zur Lohnfortzahlung eines hobbymäßigen Drachenflieger, als dieser einen komplizierten Unterschenkelbruch erlitt und dadurch sechs Wochen lang ausfiel. Die Richter entschieden daraufhin, dass Sportverletzungen kein eigenes Verschulden darstellen. Dies gilt auch für Extremsportarten, sofern der Mitarbeiter keine unnötigen Risiken eingeht und alle Sicherheitsvorschriften beachtet.

 

Dürfen meine Krankheiten im Arbeitszeugnis erwähnt werden?

Das qualifizierte Arbeitszeugnis muss nach dem Grundsatz „verständigen Wohlwollens“ formuliert werden. Das berufliche Fortkommen darf durch den ehemaligen Arbeitgeber nicht unnötig erschwert werden. In der Leistungsbeurteilung dürfen deshalb nur Aspekte genannt werden, die für potentielle Arbeitgeber von Bedeutung sind. Daher müssen Fehlzeiten unerwähnt bleiben, die sich im Durchschnittsrahmen bewegen. War der Arbeitnehmer aber außergewöhnlich häufig erkrankt, darf der ehemalige Arbeitgeber darauf aufmerksam machen. Außerdem darf auf den krankhaften Konsum von Alkohol oder Betäubungsmitteln hingewiesen werden.

 

Darf ich mich wegen meinem kranken Kind selbst krankschreiben?

Die Frage kann beantwortet werden, wenn man sich die gesetzliche Definition von Arbeitsunfähigkeit näher ansieht. Die zur Arbeitsunfähigkeit führende Krankheit beschreibt im Arbeitsrecht eine unfreiwillige Einschränkung des körperlichen oder gesundheitlichen Zustandes. Die Definition bezieht sich dem Wortlaut nach nur auf die eigene Person. Daher kann man nicht vom Arzt für sein krankes Kind krankgeschrieben werden. Eine Erkrankung von Tochter oder Sohn kann auch nicht als eigene Krankheit beim Arbeitgeber gemeldet werden.

Um das Kind zu pflegen, darf der Mitarbeiter sich aber aus persönlichen Gründen freistellen lassen. Der pflegende Elternteil hat einen Anspruch auf zehn Tage unbezahlte Freistellung bei unter Zwölfjährigen. Alleinerziehende können sich bis zu 20 Tage befreien lassen.

 

Lohnanspruch bei Pflege kranker Angehöriger?

Unabhängig davon gibt es einen Anspruch auf Krankengeld, was von den Krankenversicherungen gezahlt wird.

In § 45 Abs. 1 SGB V heißt es: Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn

  1. es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich ist, dass sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben,
  2. eine andere in ihrem Haushalt lebende Person das Kind nicht beaufsichtigen, betreuen oder pflegen kann
  3. und das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder behindert
  4. und auf Hilfe angewiesen ist.

Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des regelmäßigen Einkommens. Der Anspruch kann von Versicherten bis zu 25 Tage und von Alleinerziehenden bis zu 50 Tage lang im Jahr erhoben werden. In jedem Fall ist die Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses erforderlich.

Updating…
  • Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.