Veröffentlicht am: 17.09.2018

Interview: Marcus Heide
Foto: Jörg Zitzmann

Jörg Zitzmann

Rechtsanwalt Jörg Zitzmann ist seit 1995 als Dozent in der Sicherheitsbranche tätig. Er ist Meister für Schutz und Sicherheit sowie Fachkraft für Arbeitssicherheit. Als Inhaber der Akademie für Sicherheit und des Verlagshauses Zitzmann, das sich auf Fachliteratur für die Aus- und Weiterbildung in der Wach- und Sicherheitsbranche spezialisiert hat, befasst er sich mit dem gesamten Themenspektrum der Sicherheitswirtschaft. Wie alle Dozenten der Akademie hat er die Ausbildereignungsprüfung abgelegt. Daneben ist er Dozent bei den Industrie- und Handelskammern Nürnberg und Frankfurt am Main.

„Wer weiterkommen will, muss netzwerken“

Marcus Heide im Interview mit
Jörg Zitzmann · Dozent und Inhaber der Akademie für Sicherheit

Auf dem Laufenden bleiben und dabei die Karriere voranbringen: Jörg Zitzmann über die Gemeinsamkeit von Wachleuten und Managern

Marktplatz Sicherheit: Herr Zitzmann, für Manager gehört das Netzwerken zum beruflichen Alltag, um Geschäfte zu generieren, auf dem Laufenden zu bleiben und jemanden kennen zu lernen, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Warum ist das auch für Wachleute relevant?

 

Jörg Zitzmann: Ein breites Netzwerk zu haben, ist für jeden relevant, der weiterkommen will. Wer damit zufrieden ist, als Sicherheitsmitarbeiter gewissenhaft einfachste Tätigkeiten auszuführen, der muss nicht netzwerken, denn er wird stets einen Job haben, muss freilich auf Gehaltssprünge verzichten. Wem das nicht genügt, der muss mehr leisten – und vielleicht jemanden außerhalb seines nahen Umfelds kennen, der ihm die Chance gibt, sich zu beweisen. Dafür kann ein breites Netzwerk hilfreich sein. Im Grund genommen haben Sie die Faktoren in Ihrer Frage schon genannt: jemanden kennen lernen, der jemanden kennt, und auf dem Laufenden bleiben. Wachleute wollen, anders als Manager, vielleicht keine Geschäfte generieren, dafür aber einen neuen, besser bezahlten Job. Und wer weiß, vielleicht wollen sie sich ja auch selbstständig machen und also doch Geschäfte generieren.

 

Was genau versteht man eigentlich unter „netzwerken“?

Die Funktionsweise basiert auf dem Prinzip der Freundesfreunde. Jedes Netzwerk-Mitglied bringt Kontakte des eigenen Netzwerks in das entstehende Beziehungsgeflecht ein und erweitert es so stetig – egal, ob es sich um Freunde, Bekannte, Geschäftspartner oder Auftraggeber handelt. Jedes Mitglied kann andere interessante Aspekte einbringen und anderen Mitgliedern auf die eine oder andere Art behilflich sein.

 

Eigentlich ein uraltes Prinzip.

Ja und nein. Nehmen wir das Beispiel Rechtsanwalt, das sich anbietet, weil ich hier aus eigener Erfahrung berichten kann. Etwas vereinfacht gesprochen: Früher hat ein Rechtsanwalt seine Kanzlei eröffnet, sich hinter den Schreibtisch gesetzt und gewartet, bis die Mandanten von ganz alleine kamen. Das ist heute undenkbar. Wer sich heute nicht mit der reinen Pflichtverteidigung begnügt, muss „rausgehen“ und netzwerken, um profitable Mandanten und Mandate zu finden. Und man muss wissen, was läuft. Beim Netzwerken trifft man interessante und weniger interessante Leute, solche, die mit vielen Worten nichts sagen, und solche, bei denen jeder Satz ein Treffer ist. Wer sich an die zweite Kategorie hält, profitiert für sich persönlich – und vielleicht auch eines Tages für die Karriere.

 

Zu den rein physischen Begegnungsorten sind virtuelle hinzugekommen, sprich: die Sozialen Netzwerke im Internet. Sind das geeignete Plattformen für Wachleute?

Ein ganz klares Ja, vor allem mit Blick auf die eindeutig beruflich orientierten Plattformen wie Xing und LinkedIn, aber auch Facebook. Hier findet man Interessengruppen, die zum Beispiel branchen- oder spezifisch ausbildungsorientiert sind.

 

Nehmen wir mal an, dass ich ein introvertierter Typ bin. Wie fange ich mit dem Netzwerken an?

Das hängt natürlich davon ab, was Sie erreichen wollen. Wollen Sie sich nur darüber informieren, was Ihre Kollegen anderswo bewegt, also beispielsweise Nachtzuschläge, Mindestlohn, Einsatzbedingungen im Veranstaltungsschutz? Oder verfolgen Sie konkrete Karriereziele? In jedem Fall sollte man sich Fachgruppen suchen, sich anmelden und einfach mal die Diskussionen verfolgen. Man muss gar nicht unbedingt immer gleich seinen Senf dazugeben, das reine Beobachten genügt völlig. Will man auf sich aufmerksam machen, dann muss man auch mal einen eigenen Beitrag zur Diskussion liefern, eine Frage stellen oder beantworten. Ein anderer Weg ist natürlich, sich ganz gezielt mit bestimmten Leuten zu vernetzen und ein virtuelles Gespräch zu beginnen. Das ist ja heute der Vorteil: Hier können Sie mit Menschen Kontakt aufnehmen, an die Sie früher nie rangekommen wären. Und das Beste: Viele sind sehr aufgeschlossen und lassen es auch zu, dass man mit ihnen Kontakt aufnimmt.

 

Was fängt man dann aber mit einem solchen Kontakt an? Spielen wir das doch mal an einem konkreten Beispiel durch: Ein Wachmann oder eine Wachfrau möchte die nächste Stufe der Karriereleiter erklimmen und kommt in seinem/ihrem eigenen Betrieb nicht weiter.

Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht. Ein bisschen Geschick, soziale Kompetenz und Eigeninitiative muss man schon mitbringen. Im Verlauf von Gruppendiskussionen oder dem bilateralen Austausch ergeben sich gemeinsame Interessen und Sympathien. Ziel sollte dann sein, dass man auch mal den persönlichen Kontakt sucht, also beispielsweise telefoniert, sich bei einer Fachveranstaltung trifft oder den anderen mal in seinem Büro besucht. Lernt man im Netz einen Berufskollegen kennen, spricht man automatisch über Stellenangebote. Dann kann der eine für den anderen eine Empfehlung aussprechen. Anderes Beispiel: Man ist mit dem Niederlassungsleiter eines Wettbewerbers verbunden, der bald einen Vortrag auf einer Veranstaltung hält, etwa auf der „Nürnberger Sicherheitskonferenz“. Dann wäre es sicherlich nicht verkehrt, diese Veranstaltung auch zu besuchen und ihn anzusprechen – unter Umständen auch „rein zufällig“.

 

Welche Umgangsformen gilt es beim Netzwerken zu beachten?

Man sollte ganz genau überlegen, wie man sich präsentiert, und vor allem Berufliches und Privates nicht vermischen. Fotos vom letzten Junggesellenabend im Vollrausch und mit Stripperin sind ebenso tabu wie tendenziöse politische Kommentare. Kompetentes Auftreten ist positiv, besserwisserisches bis arrogantes natürlich nicht. Oberlehrer sind keine Sympathieträger. Wer in Diskussionsforen immer wieder wissen lässt, dass er die Fragen der anderen für dumm hält, macht sich auch bei potenziellen Arbeitgebern keine Freunde. Ein Mindestmaß an Höflichkeit ist wichtig. Wer ohne einleitende oder erklärende Worte eine Kontaktanfrage sendet, trifft berechtigterweise nur auf geringe Resonanz. Man gibt ja auch bei einer Tagung nicht einem Fremden die Hand und geht dann weiter, ohne ein Wort gesagt zu haben. Man sollte sich darüber hinaus genau überlegen, wem man eine Kontaktanfrage sendet. Tausend „Freunde“, die über drei Ecken irgendwie mit dem Sicherheitsgewerbe zu tun haben, sind weder zielführend noch werfen sie ein gutes Licht auf Ihre Ernsthaftigkeit.

 

Sie haben vor zwei Jahren mit einem eigenen „Podcast für Schutz und Sicherheit“ begonnen. Zur Fachmesse „Security“ Ende September wollen Sie eine neue Zeitschrift im Internet publizieren. Sind auch das Formen des Netzwerkens?

Zunächst einmal geht es darum, durch Information das Niveau der privaten Sicherheitswirtschaft zu erhöhen, es geht aber auch um die Erhöhung des Bekanntheitsgrades. Das hilft natürlich auch beim Netzwerken ungemein, da diese Medien Gesprächsstoff bieten. Ich habe einerseits von mir aus Aufhänger, mit denen ich Gespräche beginnen kann, andererseits sprechen mich auch andere darauf an. Das illustriert sehr anschaulich, was man heute leisten muss, um voranzukommen beziehungsweise was man sich auf keinen Fall leisten kann: Passivität. Man muss mit anderen interagieren und sich darum kümmern, dass der Kreises derer, mit denen man interagiert, beständig wächst.

 

www.akademiefuersicherheit.de

http://podcast-fuer-schutz-und-sicherheit.de

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